Neuer Vorstand
Inzwischen sind die ersten Veranstaltungen dieses Jahres erfolgreich angelaufen, auch wenn wir uns eine bessere Beteiligung durchaus gewünscht hatten. Eine wichtige Änderung hat die Jahreshauptversammlung gebracht. Gerhard Müller hat nach über dreißigjähriger Arbeit im Vorstand und nach nahezu 25 Jahren als Stellvertretender Vorsitzender dieses Amt aufgegeben. Wir sind ihm für seinen unermüdlichen Einsatz für den KKV zu großem Dank verpflichtet. Der Vorstand hat einstimmig Gerhard Müller zum Ehrenmitglied des Vorstandes ernannt. Das Amt der Stellvertretenden Vorsitzenden hat Dr. Maria Rivera übernommen. Neu als Beisitzer im Vorstand ist Karl Günter gewählt worden.
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Hans-Bernhard Wienert
Wirtschaftsethik als Auftrag des KKV
Eine Problemskizze
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Für den KKV als katholischen Sozialverband stellt sich - bei Stagnation und leider auch Rückgang der Mitgliederzahlen - immer wieder neu die Frage nach dem Selbstverständnis und damit nach seinen selbst gesetzten Aufgaben für die Zukunft in der Kirche und auch in der Gesellschaft.
Es geht um die Zukunft des KKV selbst insoweit, als den älteren Mitgliedern und gerade auch denen, die sich nicht regelmäßig am Leben der Gemeinschaft beteiligen, erkennbar gemacht werden kann, warum die Mitgliedschaft trotzdem sinnvoll ist. Hier geht es vor allem um die Frage, ob der KKV Aufgaben hat, die es finanziell zu unterstützen lohnt.
Gleichermaßen geht es um das Bemühen, jüngeren Frauen und Männern erkennbar zu machen, was der KKV ihnen zu bieten vermag. Es geht um Angebote, auf die hin sie zum KKV kommen könnten, um mittelfristig oder langfristig selbst Mitglied zu werden, und die Aufgabenerfüllung selbst sicher zu stellen und weiter zu führen.
Die aktuelle Diskussion um die Schließung größerer Betriebe und um die Steuerehrlichkeit hat deutlich gemacht, daß Wirtschaft rein um des materiellen Ertrags willen und ohne ethische Fundierung der Verantwortungsträger zutiefst inhuman ist und letztlich der ganzen Gesellschaft schadet.
Wirtschaft ohne Ethik ist inhuman Aber an keiner Stelle unserer Gesellschaft wird die Aufgabe der Entwicklung einer Wirtschaftsethik und zugleich deren Vermittlung hinreichend wahrgenommen. Zwar gibt es Literatur und auch einzelne große Thementagungen. Aber es gelingt bisher nicht, die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Ethik so darzustellen, daß sie direkt auf den Alltag ökonomischen Entscheidens und Handelns einwirken.
Dies muß in unmittelbaren Gesprächen in kleinen Gruppen und in vertretbaren Zeitumfängen "vor Ort" geschehen. Innerhalb des KKV ist hier vorrangig der Ortsgemeinschaft zuständig und gefordert. Sie muß Gesprächsangebote entwickeln, die bei aller erforderlichen Systematik zugleich offen sind für Selbstbestimmung der Teilnehmer.
Ein Angebot des KKV muß auf der Basis des christlichen Menschenbildes und des sich daraus ergebenden Gesellschaftsverständnis ruhen und damit in der katholischen Soziallehre gründen. Auch sie wird damit zugleich Thema solcher Gesprächskreise. Solche Gesprächskreise oder auch Seminargruppen müssen in einer wertpluralen Gesellschaft offen bleiben für andere Sichtweisen. Das kann auch die Teilnehmerstruktur betreffen.
Für den KKV in Bochum kommt es darauf an, solche Angebote zunächst zu erstellen - sicherlich in Zusammenarbeit mit Verantwortungsträgern in Wirtschaft und Verwaltung und auch mit der Ruhruniversität - und sie nicht nur den beruflich aktiven Mitgliedern sondern gerade auch über den persönlichen und beruflichen Kontakt der Mitglieder werbend für andere Interessenten zu öffnen..
Das Seminarkonzept / Gesprächskonzept muß vorrangig an einen Personenkreis gerichtet sein, der grundsätzlich auch für eine künftige Mitgliedschaft infrage kommt. Dies könnten junge Führungskräfte / Nachwuchsführungskräfte in Wirtschaft und Verwaltung sein, die zugleich der Kirche angehören oder ihr nahestehen oder zumindest Interesse an der Grundorientierung der Katholischen Soziallehre haben.
Die Zeitplanung muß einen überschaubaren Gesamtumfang festlegen, damit eine gewisse Selbstverpflichtung zur Teilnahme am gesamten Angebot überhaupt möglich ist. Der Zeitplan muß auch die beruflichen Einbindungen und gleichermaßen auch familiäre Bindungen und Verpflichtungen berücksichtigen.
Dabei ist zu ermitteln, ob Angebote an Vormittagen, über Mittag, an Nachmittagen oder abends möglich oder eben doch an Wochenenden erforderlich sind. Normalerweise sollten die Arbeitseinheiten zwei klassische Unterrichtsstunden ( 90 Minuten ) nicht überschreiten und jeweils eine abgrenzbare Problemfrage zum Inhalt haben.
Auf diesem Hintergrund könnten sich nach Umfang wie nach Inhalt zur Auswahl und ohne Anspruch auf Vollständigkeit folgende Themen ergeben:
- Wirtschaft zwischen Sachzwängen und verantwortlichem Entscheiden
- Menschenwürde, Freiheit und Gerechtheit als Elemente christlichen Menschenbildes
- Gemeinwohl, Subsidiarität und Solidarität als Prinzipien christlichen Gesellschaftsbildes
- Ethische Grundsätze im wirtschaftlichen und politischen Alltag
- Marktwirtschaft ohne Sozialbezug ?
- Idee und Wirklichkeit Sozialer Marktwirtschaft
- Tatsachen und Mißverständnisse der "Globalisierung"
- Verwaltung als Dienstleistung oder bürokratische Herrschaft
Aus einem Miteinander einer Arbeitsgruppe / Seminargruppe über einen Umfang von mehreren Arbeitsabschnitten kann sich der Wunsch ergeben sowohl der Vertiefung einzelner Problemfragen wie auch zu weiterführenden Gesprächen mit erfahrenen Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Verwaltung.
Durchaus denkbar ist auch eine längerfristige Institutionalisierung der Zielsetzung als "Stiftung Wirtschaftsethik" oder mit einem anderen markanten Namen. Über diesen Weg wäre auch eine eigene Finanzierung eines solchen Konzepts denkbar. Zunächst aber könnten die ohnehin geringen Aufwendungen für Raumkosten, Sachkosten (Arbeitspapiere) und eventuelle Aufwendungen der Referenten / Gesprächspartner aus dem Etat der Ortsgemeinschaft getragen werden, die damit ihre gemeinnützige Orientierung besonders unterstreichen würde.
Bochum, Februar / März 2008